MSC Lugau e.V. – Vereins- & Streckengeschichte
Vom Flöz zur Ziellinie
Unsere Rennstrecke „Glück Auf" liegt auf einer Halde, die mehr als 160 Jahre Bergbaugeschichte unter sich trägt. Wer heute über die „Obstacle" springt, fährt über Kohle, die vor rund 305 Millionen Jahren als Sumpfwald entstand.
Zeitstrahl
Von der Schachtabteufung bis zum Deutsche-Meisterschaftslauf
Gründung des Stammwerkes
Gründung des „Steinkohlenbauverein Gottes Segen" auf reichlich 87 ha Flächeninhalt, dicht südwestlich von Lugau. Neben einer Dampfförder maschine mit 20 PS kommt eine 40-PS-Dampfwasserhaltungsmaschine samt Dampfkesselanlage zur Aufstellung.
Urgestein erreicht
Bei 360 m Teufe wird der Phyllit (Urgebirge) erreicht. Die Gesamtmächtigkeit der Kohleflöze zwischen Hangendem und Liegendem beträgt 374,5 m; die einzelnen Pech- und Ruß-Kohle-Flöze sind 0,50 bis 3 m mächtig.
Bahnanschluss
Gleisanschluss an die Chemnitz-Würschnitzer Eisenbahn – entscheidend für den Kohletransport aus der Region.
Abteufung Glückauf-Schacht
Beginn des Abteufens nur 14 m vom Gottes-Segen-Schacht entfernt, als Wetterschacht. Mit vielen Unterbrechungen wird erst 1897 die Endteufe von 412 m erreicht – sein Name lebt heute in unserer Rennstrecke weiter.
Ankauf der Fürstlich-Schönburgischen Werke
Gottes Segen erwirbt die Fürstlich-Schönburgischen Steinkohlenwerke mit den beiden Schächten Kaiserin Augusta und Gottes Hilfe.
Wirtschaftliche Schwierigkeiten
Nach dem Ersten Weltkrieg gerät das Werk in Not. Das im Oktober 1919 vom sächsischen Staat gestützte Aktienkapital wird von den Aktionären zurückgezogen – das Unternehmen muss liquidiert werden.
Neugründung als Großgewerkschaft
Zusammenschluss mit dem ebenfalls vom sächsischen Staat übernommenen Lugauer Steinkohlenbauverein, der Gewerkschaft Kaisergrube (Gersdorf) und der Steinkohlen-AG Vereinigtfeld (Hohndorf) zur neugegründeten Gewerkschaft „Gottes Segen". Das Grubenfeld umfasst fortan 2.400 ha.
Modernstes Steinkohlenwerk Europas
Die Förderung konzentriert sich zunehmend auf den Kaiserin-Augusta- Schacht als Zentralanlage: neuer Förderturm in Stahlfachwerkbauweise, 1922/23 eine neue Aufbereitung mit 300 t/h Leistung – über 1 Million Tonnen Förderkapazität pro Jahr.
Förderende am Gottes-Segen- und Glück-Auf-Schacht
Der Betrieb der Förderanlage von Gottes-Segen-Schacht und Glück-Auf-Schacht wird eingestellt. Die noch vorhandenen Kohlevorräte werden fortan vom Vertrauen-Schacht aus abgebaut. In den 1930er Jahren wird ein Teil der Tagesanlagen abgebrochen.
Verstaatlichung
Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Gewerkschaft Gottes Segen verstaatlicht, der Kaiserin-Augusta-Schacht in Karl-Liebknecht-Schacht umbenannt – fortan VEB Steinkohlenwerk Karl Liebknecht.
Die Rekordschicht des Adolf Hennecke
Der Hauer Adolf Hennecke – wohnhaft im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Gewerkschaft „Gottes Segen" – erreicht auf dem benachbarten Karl-Liebknecht-Schacht 387 % Normerfüllung. Startschuss der Aktivistenbewegung in der DDR.
Ende der Steinkohlenförderung
Nach 127 Jahren wird der Bergbau im Lugau-Oelsnitzer Revier eingestellt. Die Halden bleiben zurück – stumme Zeugen von 140 Millionen geförderten Tonnen Steinkohle im gesamten Revier.
Die „Fuchsjagd" – ein freies Rennen vor der Vereinsgründung
Noch vor der offiziellen Gründung des MC „Stahl" Lugau veranstalten lokale Motocross-Fahrer auf der Liegewiese des Stadtbads Lugau ein freies, inoffizielles Rennen, das unter dem Namen „Fuchsjagd" bekannt wird – der eigentliche Ursprung der organisierten Motocross-Tradition in Lugau.
Gründung des MC „Stahl" Lugau
Die Wettkampfstätte auf der ehemaligen Abraumhalde entsteht mit Unterstützung des VEB Edelstahlzieherei Lugau, dessen Werksdirektor der Clubleitung angehört.
Erstes Rennen auf der Halde
Nur wenige Monate nach der Gründung findet das erste dokumentierte Moto-Cross statt. Sieger: Carsten Wiegand und Helge Mühlig (je 250 ccm). Als Nachwuchstalent fällt zudem Karsten Wiegand auf, der 1983 beim ADMV-Nachwuchspokal (Klasse bis 250 cm³) den 2. Platz belegt.
Erstes Jubiläum, große Gäste
Zur Jahresabschlussveranstaltung – zugleich Ein-Jahres-Feier des jungen Clubs – kommen die Zschopauer MZ-Sportler Harald Sturm (Europameister 1983 im Motorradgeländesport bis 250 cm³) und Jens Scheffler zu Gast. Für den 17. Juni wird dem Club bereits ein Lauf zur DDR-Bestenermittlung (Klasse bis 500 cm³) zugesprochen.
Von der Bezirks- zur DDR-Meisterschaft
Ab 6. Oktober 1985 zählt Lugau zur DDR-Juniorenmeisterschaft, ab 1986 zur DDR-Einzelmeisterschaft (125 ccm). In der offenen Klasse gehen regelmäßig Fahrer aus der ČSSR und Polen an den Start.
Neuer Start- und Zielturm nach Sachsenring-Vorbild
Auf der Halde wird ein neuer Start- und Zielturm feierlich übergeben – als Vorbild diente der Turm des Sachsenrings.
Autocross-Rennen zur DDR-Meisterschaft
Auf der Halde findet ein Autocross-Rennen zur DDR-Meisterschaft statt – mit den Klassen Buggy bis 600 ccm und Spezialfahrzeuge bis 1.300 Kubikzentimeter.
Motorsportclub Lugau e.V. im ADMV
Umfirmierung und Eintragung ins Vereinsregister der Bundesrepublik Deutschland – der Verein löst sich damit aus der DDR-Vereinsstruktur, bleibt organisatorisch aber zunächst weiterhin im ADMV (Allgemeiner Deutscher Motor Sport Verband).
Neues Vereinsheim am Turm
Der Start- und Zielturm wird um einen ehemaligen Bankcontainer der Schmidt Bank erweitert – nachhaltig erworben, da dieser dort nicht mehr benötigt wurde. Damit entsteht das neue Vereinsheim des MSC Lugau auf dem Haldengelände.
Die Internationale DM – Highlight der frühen Nachwendezeit
Das Rennen von 1999 gilt als das absolute sportliche Highlight der frühen Vereinsgeschichte nach der Wende und zieht tausende begeisterte Zuschauer an die Glück-Auf-Rennstrecke, bekannt für ihren anspruchsvollen, harten Boden und die spektakulären Sprünge. Im Mittelpunkt steht das packende Duell der Spitzenfahrer der Internationalen Deutschen Meisterschaft, kurz Inter-DM (125 und 250 ccm) – mit dem Briten Christian Burnham sowie Pit Beirer, Collin Dugmore und Bernd Eckenbach prägen internationale Top-Piloten diese legendäre Saison. Die Inter-DM gilt fahrerisch als absolute Elite und ist das direkte Sprungbrett zur Weltmeisterschaft – enge Zweikämpfe und harte Positionskämpfe vom Start weg inklusive.
Grundlegende Rekonstruktion
Umfassende Rekonstruktionsmaßnahmen am Clubgebäude, an der Versorgungstechnik sowie an Gebäude und Strecke bringen die Anlage auf einen zeitgemäßen Stand.
Zwischenspiel Geländewagen-Trial
Aus der Hobby-Aktion „Off-Road für Jedermann" entsteht zeitweise ein anspruchsvolles Geländewagen-Trial – Geschicklichkeit statt Geschwindigkeit, allradgetriebene Fahrzeuge bewältigen Sektionen mit Steilhängen und Schikanen. Die Läufe zählen zeitweise sogar zur Deutschen Geländewagen-Meisterschaft (DGM) des VDGV. Diese Ära ist inzwischen lange Geschichte.
Vielfältiger Motorsport auf der Halde
Neben dem Moto-Cross etabliert sich in Lugau über die Jahre ein breites motorsportliches Angebot: Off-Road-Treffen für Jedermann, Geländewagentreffen mit Oldtimer- und Traktortreffen (so etwa am 28.07.2012 das Traktor- & Oldtimertreffen Lugau) sowie Enduro. Zu Ehren des 2004 bei der Sechstagefahrt in Polen tödlich verunglückten Endurosportlers Swen Enderlein wird der „Swen Enderlein Gedächtnislauf" ins Leben gerufen und zunächst als 4-Stunden-Enduro in Lugau ausgetragen, bevor er einige Jahre später nach Zwönitz wechselt.
Erste internationale Prädikatsveranstaltung: die EM
Zum 25-jährigen Jubiläum holt der MSC Lugau beim 49. Motocross erstmals Läufe zur Motocross-Europameisterschaft (Klassen EMX Open und EMX2 Junior) auf die Halde. Die Startanlage wird dafür nach UEM-Vorgaben von 30 auf 40 Plätze erweitert. Der Tscheche Petr Bartos gewinnt beide Rennen souverän und sichert sich in Lugau vorzeitig den EM-Titel.
Wechsel vom ADMV zum ADAC
Das Präsidium des ADAC bestätigt den am 25.10.1990 gegründeten Motorsportclub Lugau e.V. offiziell als ADAC-Ortsclub – seine Satzung entspricht den Erfordernissen der Mustersatzung für ADAC-Ortsclubs, anerkannt durch den zuständigen Gauvorstand. Aus dem Motorsportclub Lugau e.V. im ADMV wird damit der MSC Lugau e.V. im ADAC.
Erneut Europameisterschaft
Der MSC Lugau richtet noch einmal Läufe zur Motocross-Europameisterschaft aus, diesmal in den Nachwuchsklassen bis 65 und 85 ccm. Zusammen mit den regelmäßigen, teils mehrfach jährlichen Läufen zur Sachsenmeisterschaft hat der Verein damit insgesamt 73 Motocross- Veranstaltungen ausgetragen – dazu 1988 sogar ein Autocross.
Sportlicher Ausrichter des Supercross Chemnitz
Bereits von 1995 bis 2000 unterstützte der MSC Lugau die Ausrichtung des Supercross in Leipzig – zunächst auf der alten, dann auf der neuen Messe –, die letzten drei Jahre zählten dort sogar zur Supercross-Weltmeisterschaft. Nach einer kurzen Pause bringt sich der Verein ab 2003 als sportlicher Ausrichter ein, diesmal beim neuen Internationalen Supercross Chemnitz, und sorgt dort bis zur vorerst letzten Austragung 2019 für einen reibungslosen Ablauf. Bei der 17. Auflage 2019 kamen über 10.000 Zuschauer an zwei Tagen; unter den bisherigen „Königen von Chemnitz" finden sich internationale Größen wie der mehrfache Sieger Tyler Bowers (USA). Direkt im Anschluss an diese 17. Austragung kündigte die Messe Chemnitz eine Pause für 2020 an – wegen einer geplanten Neuausrichtung und der Suche nach neuen Sponsoren. Wenig später verhinderte die Corona-Pandemie ein Comeback vollständig; eine feste Zusage für eine Rückkehr gibt es bis heute nicht, sodass das „vorerst" bewusst offen bleibt.
Nachwuchsarbeit
Feste Förderung junger Fahrer mit regelmäßigem Training auf dem clubeigenen Gelände – mit eigenen Trainern und eigenen E-MX-Bikes zu regelmäßigen Terminen.
79 Austragungen und kein Ende
Die Glück-Auf-Strecke ist fester Bestandteil der Deutschen Motocross-Meisterschaft und der Sachsenmeisterschaft – Tradition auf einem der geschichtsträchtigsten Flecken des Erzgebirges.
Fundstücke vom Haldenrand: Pflanzenfossilien aus dem Karbon
Unsere Halde besteht aus sogenanntem tauben Gestein – im bergmännischen Sprachgebrauch auch „Berge" genannt: dem beim Steinkohlenabbau mitgeförderten, nicht kohlehaltigen Nebengestein, das über Tage aufgeschüttet wurde. Genau in diesem Gestein finden sich immer wieder Abdrücke von Pflanzen des Steinkohlenwaldes – rund 305 Millionen Jahre alt, aus dem sogenannten Westfal D, in dem sich auch das Zwickauer Steinkohlenflöz bildete. Welchem der rund zwölf Flöze ein einzelnes Fundstück genau zuzuordnen ist, lässt sich nur durch paläobotanische Fachbestimmung klären – das Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgeb. hilft bei Fundstücken gerne weiter.