MSC Lugau e.V. – Vereins- & Streckengeschichte

MSC LUGAU E.V. IM ADAC

Vom Flöz zur Ziellinie

Unsere Rennstrecke „Glück Auf" liegt auf einer Halde, die mehr als 160 Jahre Bergbaugeschichte unter sich trägt. Wer heute über die „Obstacle" springt, fährt über Kohle, die vor rund 305 Millionen Jahren als Sumpfwald entstand.

Historische Illustration: Schachtanlage Gottes Segen und Glückauf-Schacht mit Fördertürmen, Kohlenbahn und Aufbereitungsgebäuden
Die Schachtanlage Gottes Segen mit dem benachbarten Glückauf-Schacht, wie sie sich zu Betriebszeiten dargestellt haben dürfte – mit den beiden charakteristischen Schornsteinen, der Kohlenbahn und den Aufbereitungsgebäuden. (Illustration: Vereinsarchiv)

Zeitstrahl

Von der Schachtabteufung bis zum Deutsche-Meisterschaftslauf

Bergbau
12. Juni 1856

Gründung des Stammwerkes

Gründung des „Steinkohlenbauverein Gottes Segen" auf reichlich 87 ha Flächeninhalt, dicht südwestlich von Lugau. Neben einer Dampf­förder­ maschine mit 20 PS kommt eine 40-PS-Dampfwasserhaltungsmaschine samt Dampfkesselanlage zur Aufstellung.

Bergbau
1860

Urgestein erreicht

Bei 360 m Teufe wird der Phyllit (Urgebirge) erreicht. Die Gesamtmächtigkeit der Kohleflöze zwischen Hangendem und Liegendem beträgt 374,5 m; die einzelnen Pech- und Ruß-Kohle-Flöze sind 0,50 bis 3 m mächtig.

Bergbau
1862

Bahnanschluss

Gleisanschluss an die Chemnitz-Würschnitzer Eisenbahn – entscheidend für den Kohletransport aus der Region.

Bergbau
1866–1897

Abteufung Glückauf-Schacht

Beginn des Abteufens nur 14 m vom Gottes-Segen-Schacht entfernt, als Wetterschacht. Mit vielen Unterbrechungen wird erst 1897 die Endteufe von 412 m erreicht – sein Name lebt heute in unserer Rennstrecke weiter.

Bergbau
1895

Ankauf der Fürstlich-Schönburgischen Werke

Gottes Segen erwirbt die Fürstlich-Schönburgischen Steinkohlenwerke mit den beiden Schächten Kaiserin Augusta und Gottes Hilfe.

Bergbau
1919

Wirtschaftliche Schwierigkeiten

Nach dem Ersten Weltkrieg gerät das Werk in Not. Das im Oktober 1919 vom sächsischen Staat gestützte Aktienkapital wird von den Aktionären zurückgezogen – das Unternehmen muss liquidiert werden.

Bergbau
2. Sept. 1920

Neugründung als Großgewerkschaft

Zusammenschluss mit dem ebenfalls vom sächsischen Staat übernommenen Lugauer Steinkohlenbauverein, der Gewerkschaft Kaisergrube (Gersdorf) und der Steinkohlen-AG Vereinigtfeld (Hohndorf) zur neugegründeten Gewerkschaft „Gottes Segen". Das Grubenfeld umfasst fortan 2.400 ha.

Bergbau
1920er Jahre

Modernstes Steinkohlenwerk Europas

Die Förderung konzentriert sich zunehmend auf den Kaiserin-Augusta- Schacht als Zentralanlage: neuer Förderturm in Stahlfachwerkbauweise, 1922/23 eine neue Aufbereitung mit 300 t/h Leistung – über 1 Million Tonnen Förderkapazität pro Jahr.

Bergbau
1. Juni 1925

Förderende am Gottes-Segen- und Glück-Auf-Schacht

Der Betrieb der Förderanlage von Gottes-Segen-Schacht und Glück-Auf-Schacht wird eingestellt. Die noch vorhandenen Kohlevorräte werden fortan vom Vertrauen-Schacht aus abgebaut. In den 1930er Jahren wird ein Teil der Tagesanlagen abgebrochen.

Zeitgeschichte
1946

Verstaatlichung

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Gewerkschaft Gottes Segen verstaatlicht, der Kaiserin-Augusta-Schacht in Karl-Liebknecht-Schacht umbenannt – fortan VEB Steinkohlenwerk Karl Liebknecht.

Zeitgeschichte
13. Okt. 1948

Die Rekordschicht des Adolf Hennecke

Der Hauer Adolf Hennecke – wohnhaft im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Gewerkschaft „Gottes Segen" – erreicht auf dem benachbarten Karl-Liebknecht-Schacht 387 % Normerfüllung. Startschuss der Aktivistenbewegung in der DDR.

Bergbau
1971

Ende der Steinkohlenförderung

Nach 127 Jahren wird der Bergbau im Lugau-Oelsnitzer Revier eingestellt. Die Halden bleiben zurück – stumme Zeugen von 140 Millionen geförderten Tonnen Steinkohle im gesamten Revier.

Vereinsgeschichte
1982/83

Die „Fuchsjagd" – ein freies Rennen vor der Vereinsgründung

Noch vor der offiziellen Gründung des MC „Stahl" Lugau veranstalten lokale Motocross-Fahrer auf der Liegewiese des Stadtbads Lugau ein freies, inoffizielles Rennen, das unter dem Namen „Fuchsjagd" bekannt wird – der eigentliche Ursprung der organisierten Motocross-Tradition in Lugau.

Vereinsgeschichte
13. Jan. 1983

Gründung des MC „Stahl" Lugau

Die Wettkampfstätte auf der ehemaligen Abraumhalde entsteht mit Unterstützung des VEB Edelstahlzieherei Lugau, dessen Werksdirektor der Clubleitung angehört.

Vereinsgeschichte
5. Juni 1983

Erstes Rennen auf der Halde

Nur wenige Monate nach der Gründung findet das erste dokumentierte Moto-Cross statt. Sieger: Carsten Wiegand und Helge Mühlig (je 250 ccm). Als Nachwuchstalent fällt zudem Karsten Wiegand auf, der 1983 beim ADMV-Nachwuchspokal (Klasse bis 250 cm³) den 2. Platz belegt.

Vereinsgeschichte
Jan. 1984

Erstes Jubiläum, große Gäste

Zur Jahresabschlussveranstaltung – zugleich Ein-Jahres-Feier des jungen Clubs – kommen die Zschopauer MZ-Sportler Harald Sturm (Europameister 1983 im Motorradgeländesport bis 250 cm³) und Jens Scheffler zu Gast. Für den 17. Juni wird dem Club bereits ein Lauf zur DDR-Bestenermittlung (Klasse bis 500 cm³) zugesprochen.

Vereinsgeschichte
1985–1989

Von der Bezirks- zur DDR-Meisterschaft

Ab 6. Oktober 1985 zählt Lugau zur DDR-Juniorenmeisterschaft, ab 1986 zur DDR-Einzelmeisterschaft (125 ccm). In der offenen Klasse gehen regelmäßig Fahrer aus der ČSSR und Polen an den Start.

Vereinsgeschichte
1. Okt. 1988

Neuer Start- und Zielturm nach Sachsenring-Vorbild

Auf der Halde wird ein neuer Start- und Zielturm feierlich übergeben – als Vorbild diente der Turm des Sachsenrings.

Vereinsgeschichte
1989

Autocross-Rennen zur DDR-Meisterschaft

Auf der Halde findet ein Autocross-Rennen zur DDR-Meisterschaft statt – mit den Klassen Buggy bis 600 ccm und Spezialfahrzeuge bis 1.300 Kubikzentimeter.

Vereinsgeschichte
25. Okt. 1990

Motorsportclub Lugau e.V. im ADMV

Umfirmierung und Eintragung ins Vereinsregister der Bundesrepublik Deutschland – der Verein löst sich damit aus der DDR-Vereinsstruktur, bleibt organisatorisch aber zunächst weiterhin im ADMV (Allgemeiner Deutscher Motor Sport Verband).

Vereinsgeschichte
1995

Neues Vereinsheim am Turm

Der Start- und Zielturm wird um einen ehemaligen Bankcontainer der Schmidt Bank erweitert – nachhaltig erworben, da dieser dort nicht mehr benötigt wurde. Damit entsteht das neue Vereinsheim des MSC Lugau auf dem Haldengelände.

Vereinsgeschichte
1999

Die Internationale DM – Highlight der frühen Nachwendezeit

Das Rennen von 1999 gilt als das absolute sportliche Highlight der frühen Vereinsgeschichte nach der Wende und zieht tausende begeisterte Zuschauer an die Glück-Auf-Rennstrecke, bekannt für ihren anspruchsvollen, harten Boden und die spektakulären Sprünge. Im Mittelpunkt steht das packende Duell der Spitzenfahrer der Internationalen Deutschen Meisterschaft, kurz Inter-DM (125 und 250 ccm) – mit dem Briten Christian Burnham sowie Pit Beirer, Collin Dugmore und Bernd Eckenbach prägen internationale Top-Piloten diese legendäre Saison. Die Inter-DM gilt fahrerisch als absolute Elite und ist das direkte Sprungbrett zur Weltmeisterschaft – enge Zweikämpfe und harte Positionskämpfe vom Start weg inklusive.

Vereinsgeschichte
2003

Grundlegende Rekonstruktion

Umfassende Rekonstruktionsmaßnahmen am Clubgebäude, an der Versorgungstechnik sowie an Gebäude und Strecke bringen die Anlage auf einen zeitgemäßen Stand.

Vereinsgeschichte
Mitte 1990er

Zwischenspiel Geländewagen-Trial

Aus der Hobby-Aktion „Off-Road für Jedermann" entsteht zeitweise ein anspruchsvolles Geländewagen-Trial – Geschicklichkeit statt Geschwindigkeit, allradgetriebene Fahrzeuge bewältigen Sektionen mit Steilhängen und Schikanen. Die Läufe zählen zeitweise sogar zur Deutschen Geländewagen-Meisterschaft (DGM) des VDGV. Diese Ära ist inzwischen lange Geschichte.

Vereinsgeschichte
ab ca. 2005

Vielfältiger Motorsport auf der Halde

Neben dem Moto-Cross etabliert sich in Lugau über die Jahre ein breites motorsportliches Angebot: Off-Road-Treffen für Jedermann, Geländewagentreffen mit Oldtimer- und Traktortreffen (so etwa am 28.07.2012 das Traktor- & Oldtimertreffen Lugau) sowie Enduro. Zu Ehren des 2004 bei der Sechstagefahrt in Polen tödlich verunglückten Endurosportlers Swen Enderlein wird der „Swen Enderlein Gedächtnislauf" ins Leben gerufen und zunächst als 4-Stunden-Enduro in Lugau ausgetragen, bevor er einige Jahre später nach Zwönitz wechselt.

Vereinsgeschichte
2008

Erste internationale Prädikatsveranstaltung: die EM

Zum 25-jährigen Jubiläum holt der MSC Lugau beim 49. Motocross erstmals Läufe zur Motocross-Europameisterschaft (Klassen EMX Open und EMX2 Junior) auf die Halde. Die Startanlage wird dafür nach UEM-Vorgaben von 30 auf 40 Plätze erweitert. Der Tscheche Petr Bartos gewinnt beide Rennen souverän und sichert sich in Lugau vorzeitig den EM-Titel.

Vereinsgeschichte
12. März 2009

Wechsel vom ADMV zum ADAC

Das Präsidium des ADAC bestätigt den am 25.10.1990 gegründeten Motorsportclub Lugau e.V. offiziell als ADAC-Ortsclub – seine Satzung entspricht den Erfordernissen der Mustersatzung für ADAC-Ortsclubs, anerkannt durch den zuständigen Gauvorstand. Aus dem Motorsportclub Lugau e.V. im ADMV wird damit der MSC Lugau e.V. im ADAC.

Vereinsgeschichte
2015

Erneut Europameisterschaft

Der MSC Lugau richtet noch einmal Läufe zur Motocross-Europameisterschaft aus, diesmal in den Nachwuchsklassen bis 65 und 85 ccm. Zusammen mit den regelmäßigen, teils mehrfach jährlichen Läufen zur Sachsenmeisterschaft hat der Verein damit insgesamt 73 Motocross- Veranstaltungen ausgetragen – dazu 1988 sogar ein Autocross.

Vereinsgeschichte
seit 2003

Sportlicher Ausrichter des Supercross Chemnitz

Bereits von 1995 bis 2000 unterstützte der MSC Lugau die Ausrichtung des Supercross in Leipzig – zunächst auf der alten, dann auf der neuen Messe –, die letzten drei Jahre zählten dort sogar zur Supercross-Weltmeisterschaft. Nach einer kurzen Pause bringt sich der Verein ab 2003 als sportlicher Ausrichter ein, diesmal beim neuen Internationalen Supercross Chemnitz, und sorgt dort bis zur vorerst letzten Austragung 2019 für einen reibungslosen Ablauf. Bei der 17. Auflage 2019 kamen über 10.000 Zuschauer an zwei Tagen; unter den bisherigen „Königen von Chemnitz" finden sich internationale Größen wie der mehrfache Sieger Tyler Bowers (USA). Direkt im Anschluss an diese 17. Austragung kündigte die Messe Chemnitz eine Pause für 2020 an – wegen einer geplanten Neuausrichtung und der Suche nach neuen Sponsoren. Wenig später verhinderte die Corona-Pandemie ein Comeback vollständig; eine feste Zusage für eine Rückkehr gibt es bis heute nicht, sodass das „vorerst" bewusst offen bleibt.

Heute
laufend

Nachwuchsarbeit

Feste Förderung junger Fahrer mit regelmäßigem Training auf dem clubeigenen Gelände – mit eigenen Trainern und eigenen E-MX-Bikes zu regelmäßigen Terminen.

Heute
2026

79 Austragungen und kein Ende

Die Glück-Auf-Strecke ist fester Bestandteil der Deutschen Motocross-Meisterschaft und der Sachsenmeisterschaft – Tradition auf einem der geschichtsträchtigsten Flecken des Erzgebirges.

Luftbild-Illustration der heutigen Glück-Auf-Rennstrecke mit Streckenverlauf, Fahrerlager, Vereinsgebäude und Zuschauerbereich
Die „Glück Auf"-Strecke heute: Streckenverlauf, Fahrerlager und Vereinsgelände auf dem Areal der ehemaligen Gottes-Segen-Schacht-Halde. (Illustration: Vereinsarchiv)
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Fundstücke vom Haldenrand: Pflanzenfossilien aus dem Karbon

Unsere Halde besteht aus sogenanntem tauben Gestein – im bergmännischen Sprachgebrauch auch „Berge" genannt: dem beim Steinkohlenabbau mitgeförderten, nicht kohlehaltigen Nebengestein, das über Tage aufgeschüttet wurde. Genau in diesem Gestein finden sich immer wieder Abdrücke von Pflanzen des Steinkohlenwaldes – rund 305 Millionen Jahre alt, aus dem sogenannten Westfal D, in dem sich auch das Zwickauer Steinkohlenflöz bildete. Welchem der rund zwölf Flöze ein einzelnes Fundstück genau zuzuordnen ist, lässt sich nur durch paläobotanische Fachbestimmung klären – das Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgeb. hilft bei Fundstücken gerne weiter.